Deutschlands Bildungssystem wird in letzter Zeit sehr kontrovers diskutiert, spätestens seit Bekanntgabe von Ergebnissen der letzten PISA-Studie. Mit ihr wurden Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schülerinnen und Schüler weltweit verglichen, wobei die Bundesrepublik Deutschland eher schlecht abgeschnitten hat. Kleinere Änderungen am Bildungssystem verbessern die Situation kaum nachhaltig, größere Reformen scheinen notwendig, weshalb auch alternative Schulkonzepte verstärkt ins Gespräch kommen. Mit der so genannten Laborschule in Bielefeld und dem Team-Kleingruppen-Modell sind hoffnungsvolle neue Ansätze vorhanden.
Auch in Deutschland bleibt man nicht stehen, wenn es um die Suche nach alternativen Schulformen geht. Und so hat die Moderne neben den traditionell vorhandenen Alternativen wie Montessori-, Waldorfschule und Jenaplanschule andere Schulformen entwickelt und erprobt: beispielsweise die Laborschule in Bielefeld oder das so genannte Team-Kleingruppen-Modell.
Die Bielefelder Laborschule ist staatliche Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen. “Lernen an und aus der Erfahrung" gehört zu ihren pädagogischen Leitlinien. Unterricht wird differenziert und individuell auf das Leistungsniveau des Einzelnen abgestimmt. Gelernt wird in Gruppen von Kindern unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Leistungspotenzials. In ihnen werden langsamer lernende Kinder gefördert, ohne dass schneller Lernende in ihrer Entwicklung aufgehalten werden. Die Schule versteht sich als “Gesellschaft im Kleinen", in der die Kinder auch Verantwortlichkeit, ein friedliches Miteinander und die friedliche Regelung von Konflikten lernen.
Das Team-Kleingruppen-Modell setzt auf die intensive Teamarbeit von Lehrerinnen und Lehrern, die die Schüler auf ihrem Weg durch die Schullaufbahn begleiten. Gelernt wird in Gruppen, die soziale Einheiten darstellen, gemeinsam Aufgaben bekommen und Probleme lösen. Die Gruppenarbeit schult unter anderem die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, schult eine Art der gemeinsamen Arbeit, die auch im Berufsleben stetig wichtiger wird.
Die Schülerinnen und Schüler haben mindestens zwei Klassenlehrer, so genannte Tutoren, was eine intensivere Betreuung ermöglicht. Konzepte wie Laborschule und Team-Kleingruppenmodell zeigen, dass auch in Deutschland Ansätze für neue Schulformen, Lern- und Lehrmethoden vorhanden sind. Die Förderung des Einzelnen bleibt wichtig, hier sind Eltern gefragt. Gute Nachhilfe und guter Nachhilfeunterricht können persönliche Lernschwierigkeiten eines Schülers oder einer Schülerin ausräumen. Die Suche nach Veränderungen im Schulsystem dürfen solche individuellen Maßnahmen allerdings nicht ersetzen.
Andreas Reer