Muttertag – wer hat nicht Erinnerungen an all die vielen Stunden im Kindergarten oder in der Volksschule wo auf dieses Ereignis des Muttertag hingearbeitet wurde. Gedichte in Schönschrift mit selbstgemachter Karte gab es jedes Jahr für die Mütter zum Muttertag bei uns.
Den Stress des Auswändiglernens noch gut in Erinnerung habe ich so manches Bild vom Muttertag im Kopf bei mir drin. Den Frühstückstisch schön decken. Kurzer Streit mit den Geschwistern, weil der eine viel tat der andere nichts. Schön anziehen. Muttertag ist heute. Wie war ich als Kind immer aufgeregt und nervös und dennoch gebe ich zu, irgendwie wusste ich nie wieso was wann. Nur dass!
Nach dem Frühstück war es aber noch nicht aus. Gab es doch auch die Mütter der Mutter. Also auf zur nächsten Muttertagsfeier. Zur ersten Oma und weil es so schön war, mussten wir Kinder dort auch die Muttertags Gedichte aufsagen. Bis heute weiß ich nicht wieso. Weil Oma ist Oma und nicht Mutter oder Mama. Bei der zweiten Oma wurde dies dann endlich Routine.
Der zweite Sonntag im Mai geritt in den Jahren der Pubertät bei mir in die Krise. Stress, weil nicht so angezogen wie Mutter oder später Oma es sich gewünscht hätte. Selbst am Muttertag noch als Kind behandelt werden, war in diesen Zeiten eine Katastrophe für mich.
Wieder einige Jahre später wo eindeutig sich einiges änderte ging es am Muttertag ab ins Gasthaus. Dann trafen sich dort alle Mütter. Die eigne und die ganzen Omas und dann noch jede Menge Onkeln und Tanten und die Mutter hörte alle Muttertagsgedichte auf einmal. Am 2. Sonntag im Mai in ein Gasthaus zu gehen ist heute noch für mich eine Qual!
Heute bin ich längst schon selber Mutter. Habe den ersten selbstgemachten Kaffee meiner Kinder am Muttertag zum Frühstück getrunken. Jeder, der den ersten selbstgemachten Kaffee am Muttertag trinkt verdient an und für sich ein Muttertags Ehrenkreuz! Da bin ich mir sowas von sicher
Ich sagte auch nichts als beim selbstgepflückten Blumenstrauss die ersten eigenen Gartenblumen drinsteckten. Ist ja Muttertag.
Ich bin heute noch absolut entsetzt, wenn der Ehemann, Lebensabschnittspartner oder einfach Freund, der Frau an seiner Seite zum Muttertag Blumen bringt. Besser kann ein Mann in meinen Augen nicht demonstrieren, dass er die Frau an seiner Seite an und für sich als Mutter betrachtet. Nur – das wäre Inzest!
Ich wusste als Kind nichts von der Vereinnahmung des Muttertags durch die Nationalsozialisten, ich wusste nur der Tag ist einfach wichtig.
Als Mutter weiß ich, dass dies einer der stressigsten Sonntage für mich immer war. Ich habe einen niedrigen Blutdruck. Aufstehen an sich ist bereits schlimm, am Muttertag wurde früher als sonst aufgestanden, haben doch die Kinder das Frühstück gemacht und dann muss man zur eigenen Mutter, zur Schwiegermutter. Essen den ganzen Tag, Lächeln den ganzen Tag.
Klar der Muttertag ist ein wichtiger Tag für die Floristen, Blumenhändler – nur warum muss ich wegen denen früher aufstehen! Auto zu fahren ist eine Katastrophe an dem Tag, jeder fährt – auch der, der nur einmal im Jahr fährt – nämlich am Muttertag. Jedes 2. Auto hat eine Seniorin drin und wegen der wird speziell langsam gefahren.
Die Kinder wurden erwachsen und jetzt ist der Muttertag endlich auch für mich ein Fest. Es ist einfach schön, wenn die erwachsenen Kinder mit einem abends ausgehen. Lachen, tratschen und vorallem nach dem Essen in das Lokal einem mitnehmen wo sie selber abends hingehen. Mag die Musik dort auch so gut sein wie der erste selbstgemachte Kaffee
– aber die Kinder trauen sich die eigene Mutter dort herzuzeigen wo sie selber sind.
Ich beneide keine Mutter um den Muttertag, wenn sie noch kleine Kinder hat. Aber ich wünsch jeder Mutter am Muttertag, dass die erwachsenen Kinder mit ihr ausgehen. Am besten nicht am 2. Sonntag im Mai, sondern irgendwann anders… Noch ist Zeit dies zu planen….


Massimo
25.04.07 um 10:10Ich find so ein Tag nur Geld macherrei für die Geschäfte. Ein enger Kontakt oder Zusammenhalt ist doch viel Wichtiger. Finde Ich .
Massimo