Wasserbauten der Antike und ihre Auferstehung
Epromod – Bei diesem Projekt sollen Bauten aus der Antike, mit Hilfe von 3D Modellierungssoftware, rekonstruiert und am Computer analysiert werden.
Nicht weniger eindrucksvoll als die von der kollektiven Massenkraft geschaffenen Pyramiden, die als eines der “Sieben Weltwunder” jedermann kennt und bestaunt, sind die in derselben Epoche der Sklavenhaltergesellschaft entstandenen Großbauten der Wasserbautechnik.
Die sich herausbildenden staatlichen Zentralgewalten schufen die Voraussetzungen dafür, dass die von den Stämmen und Völkerschaften des Zweistromlandes erbauten Bewässerungsanlagen zu territorialen Gesamtsystemen vereinigt und durch neue Anlagen ungewöhnlichen Ausmaßes ergänzt werden konnten. Unter den Sumerern entstanden Verbindungskanäle zwischen Euphrat und Tigris, durch die sich die künstlich bewässerte landwirtschaftliche Nutzfläche auf über 30000 km2 erhöhte. Das entspricht etwa einem Gebiet von der Größe Belgiens.
Ähnliche Entwicklungen vollzogen sich in Indien und China. Etwa zur gleichen Zeit wie die Kanalbauten der Sumerer entstand der “Große Kanal” in China, der mit einer Länge von 1782 km das Huanghebecken mit dem Changjiang, die Städte Hangtschu und Peking verband. Der für die damalige Zeit längste Kanal der Erde diente neben der Bewässerung der Felder zugleich dem Abtransport der Ernten aus den entlegenen Provinzen. Auf dem Wasserweg gelangten künftighin Reis, Tee, Baumwolle und Seide schneller und verlustärmer als auf dem mühseligen und gefahrvollen Landweg in die Speicher der Herrscher über das Reich.
In Ägypten erhöhte sich unter den Pharaonen die Gesamtlänge der Be- und Entwässerungsanlagen durch Neubauten nahezu auf die Länge eines Erdumfanges. Ungeklärt bleibt bis heute die Entstehung, Bestimmung und ursprüngliche Größe des von Herodot erwähnten Mevis-Staubeckens südlich von Kairo. Um das Jahr 1600 v. u. Z. erbaut, handelte es sich vermutlich um eine Art Talsperre, die eine Fläche von 686 km2 eingenommen und 3 Mrd. m3 Wasser gefasst haben soll. Allein die Schaffung der ausgedehnten Bewässerungsanlagen ermöglichte es der ägyptischen Landwirtschaft, so viel überschüssigen Reichtum zu produzieren, dass sie imstande war, die enormen finanziellen Lasten der staatlichen Bauten des ersten ägyptischen Reiches zu tragen.
Die großartigen Wasserbauten der Antike sollen nun in einem Projekt von neuem Auferstehen (3D Architektur von Bauten der Antike). Bei diesem Projekt sollen Bauten aus der Antike, mit Hilfe von 3D Modellierungssoftware, rekonstruiert und am Computer analysiert werden. Unter anderem sollen die Komponenten 3D Landschaft, 3D Haus und 3D Gebäude zum Einsatz kommen.
Die neuen Möglichkeiten der 3D Visualisierung eröffnen Interessierten, Studenten und Wissenschaftlern völlig neue Wege, die damalige Baukunst und Technik nachzuvollziehen und zu verstehen.
Autor: Dipl.-Ing. L. Wienke



