Etwa um 2001 setzte ein Umdenken in der Arbeitsmarkt-Politik in Österreich ein: Warum soll man Staplerfahrer zu Montageschlossern" und umgekehrt – umschulen, wenn weder der eine noch der andere einen Arbeitsplatz finden wird. Stattdessen erkannte die Arbeitsmarktforschung, dass eine Umschulung auf Berufe wie “Lebens- und Sozialberater", “Stellenwertdiagnostiker" und “Webdesigner" einerseits allein schon durch die Umschulung einen sozialen Aufstieg bedeutete und gleichzeitig den Arbeitsmarkt sowohl für Staplerfahrer als auch für Montageschlosser entlasteten.
Ein Staplerfahrer wird immer ein Angestelltenverhältnis anstreben, schließlich ist das nötige Produktionsmittel relativ teuer und im Bedarfsfall schwer zum Kunden zu transportieren. Ein Webdesigner hingegen wird kaum als Angestellter arbeiten – das ist in dieser Branche auch nicht üblich" sondern wird sich mit den ohnehin meist vorhandenen Produktionsmitteln (Computer, 1m² Schreibtisch, Internetanschluss) selbständig machen.
Und: Wer sich einmal selbständig gemacht hat, findet schwer wieder in den unselbständigen Arbeitsmarkt zurück; der Schritt zurück wird als sozialer Abstieg und als Versagen empfunden; Sozialversicherung und Finanzamt machen es ebenso nicht gerade einfach.
Man “muss" also weiter und verlässt damit ein für alle mal die Arbeitslosenstatistik.
Zunächst wird erfolgreich an der eigenen Website gearbeitet, bald aber beginnt sich eine Abwärtsspirale zu drehen: Mangels Referenzen findet man keine Aufträge, ohne Aufträge keine Referenzen. Da es dann ohnehin egal ist, ob man nichts tut oder nichts dafür bekommt, scheint ein möglicher Ausweg, für einen symbolischen Lohn zumindest Referenzen zu bekommen. Die Folge: ein starker Preisverfall in der Branche, der wiederum nach sich zieht, dass auch diejenigen, die schon gute Referenzen haben, die Preise senken, um an die Aufträge zu kommen. Bereits etablierte Webdesigner müssen daher mehr produzieren, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten, wodurch die Chancen für Einsteiger noch stärker reduziert werden.
Für Webdesigner ist die Situation derzeit also fatal: Nur wer etabliert ist, kann noch einigermaßen davon leben. Wer sich nicht rechtzeitig etablieren konnte, hat auf lange Zeit das Nachsehen: Der Markt ist völlig übersättigt: zu viele Jäger, zu wenige Hasen.
Was aber wäre, wenn mit einem Schlag alle jemals erlegten Hasen wieder auferstehen?
“Webdesign-Barrierefrei" ist das Licht am Ende des Tunnels.
Da die WAI-Richtlinien sehr viel Spielraum zur Interpretation lassen, kann der Begriff “Barrierefrei" schon durch Einsatz geringer intellektueller Ressourcen variabel definiert werden. Das schafft die heute in der Arbeitswelt geforderte Flexibilität" und mehr noch: Das zu erreichende Ziel kann neu definiert werden.
Vereinfacht und auf das obige Beispiel übertragen bedeutet das: Ob der Hase erlegt ist, hängt – auch rückwirkend – davon ab, ob das Projektil zur Erlegung geeignet war. Der Erlegt-Status kann dem Hasen aberkannt werden, wenn die Gültigkeit der Erlegung bei neuer Interpretation der Richtlinien nicht gegeben ist. Der Hase wäre also nur temporär erlegt und kann im Bedarfsfall wieder aktiviert werden.
Diese positive Einstellung schafft nicht nur ein sinnvolles Betätigungsfeld für Webdesigner, sondern kann sogar die häufig im Vorfeld gebildeten Arbeitskreise und Gremien zu neuem Leben erwecken: langgediente Mitarbeiter können weit abseits der üblichen Entscheidungsstrukturen genaue Analysen verschiedener Sichtweisen vereinfachen und das Betriebsklima optimal nutzen. Somit werden nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern sogar langfristig gesichert.
Autor:Chio Maisriml von Webdesign in Wien
Frank
17.10.06 um 21:53Super Artikel. Kann man glatt UNTERSCHREIBEN
Frank