Weihnachten-Multikulturell versus Identitätslosigkeit
Ich bin europäische Österreicherin laut meinem inneren Verständnis. Seit eher kam das Christkind, kein Weihnachtsmann und christlich ist die Tradition. Multikulturell versus Identität versus Gesichtslosigkeit.
Hie und da erlaube ich mir ja auch so meine Gedanken einfach laut zu denken. Gestern erst beim Einkaufen fiel es mir sehr drastisch auf. Amerikanischer Weihnachtsschmuck soweit mein Auge reicht. Santa Claus ist nett und lieb und sicher begeistert er die Kinder mit seinen Rentieren sehr. Aber in Österreich gab es niemals Rentiere. Vielleicht auch nicht in Amerika, aber von dort kenne ich ihn aus diversen Filmen.
Feiert einer meiner Kunden oder Geschäftspartner Ramadan, dann respektier ich dies selbstverständlich. Genauso selbstverständlich erwarte ich auch, dass er respektiert, wenn – aus welchen Gründen auch immer – der Geburtstag dieses Jesus aus Nazareth zu Weihnachten gefeiert wird.
Fahre ich in den Iran, Irak oder anderen muslimischen Ländern, muss ich mich als Frau den Bekleidungsvorschriften dieser Länder beugen, sonst habe ich mehr als arge Probleme. Mag ich dies nicht, muss ich ja nicht hinfahren – ich war noch nie dort.
Bin ich in Griechenland und mag so gegen 13.00 auf einer einsamen Insel einkaufen, werde ich aller Wahrscheinlichkeit vor geschlossenen Läden stehen. Bin ich in Griechenland auf einer kleinen Insel und mag beim Bäcker das Brot X dort oben in der dritten Reihe, wird die Verkäuferin mir freundlichst lächelnd erklären:Pfarrer! Also diese Brote sind für die orthodoxen Geistlichen und nicht für jedermann und jederfrau.
Fahre ich in eine kleine Ortschaft nach Italien und mag zu Mittag eine Pizza wird mir der traditionelle Gastronom erklären, dass Pizza niemals zu Mittag gegessen wird.
Bin ich in einem kleinen Dorf in Österreich jenseits jeder Touristerei bekomm ich meine Topfentorte. Im Touristenviertel gibts nur mehr die Käsesahnetorte. Es fängt beim Sessel an, der dann zum Stuhl wird – ich mag nicht erklären wieso man hier in Österreich mit ‘Stuhl’ traditionell was anders verbindet – obwohl dies auch mit ‘Sitzen’ zu tun hat
Seit vielen Jahrhunderten ist Österreich christlich. Ob ich jetzt aktive Katholikin bin oder nicht, doch jedes Märchen, jede Sage, ja die Skyline unserer Städte ist davon geprägt. Wien ohne Stephansdom …
Kommen Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, dann ist nicht nur die Sprache ein Hindernis, sondern zig Dinge des Alltags, die unsere Kultur prägen. Ich betrachte es immer noch als Affront gegen meine Person, wenn meine Hand zum Gruß nicht genommen wird. Dies ist manchen Menschen aus manchen Kulturkreisen fremd. Beim Reden niemals ansehen erachte ich als sehr befremdlich, aber auch dies ist in manchen Kulturkreisen nicht selbstverständlich, ja sogar ein Ausdruck der Respektlosigkeit.
Kommen aber Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, dann pflegen und hegen die ihre eigene Kultur, um nur ja nicht wurzellos zu werden. Aber was tun wir uralt Einheimischen, um dies so zu nennen:
Wir beginnen zu leugnen, zu vergessen, aus Sparsamkeitsgründen unsere Kultur abzuschneiden. Ob man in die Oper geht oder nicht, aber sie gehört zu unserer Kultur. Ob man aktiver Katholik ist oder nicht: Das Christkind ist österreichisch und Weihnachten lange Tradition.
Fremdenhass wird genährt aus Angst vorm Fremden, vorm Unbekannten, aus Angst vor Identitätsverlust, aus Angst vorm Arbeitsplatz und so weiter. Meine österreichische Identität kann ich nur verlieren, wenn ich sie selber aufgebe. Die kann mir sonst keiner nehmen. Daher wird es bei mir sicher keinen Santa Claus geben und keine bunten Rentiere. Ich werde auch Halloween nicht so schnell feiern und sitzen tu ich seit ewigsten Zeiten am Sessel, mein Kaffee ist im Häferl und die Stelze bleibt eine Stelze und wird bei aller Wertschätzung meiner Nachbarn kein Eisbein.
Ich zwinge allerdings auch meinen muslimischen Wohnungsnachbarn Weihnachten nicht auf. Die Krapfen im Fasching teilten wir.
Die einen bauen Moscheen in Österreich und wir würden den Weihnachtsschmuck vielleicht aufgeben, so wie es in England zum Teil der Fall ist, – das macht Angst und wie gesagt: Hass nährt sich oft aus Angst.
Ich bleib ich und Du bleibst Du, das ist die Basis für miteinander.
Versuchen wir es.




Ein sehr gut gelungener Text, das Thema mal von der ganz menschlichen Seite angesprochen. nice one
lynn03.12.07 23:19 | # |